Monatsspruch Juni 202

Monatslosung im Juni 2025

Gedanken zum Monatsspruch Juni 2025 – von Christoph „Chrifi“ Fischle

„Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“ 

(Apostelgeschichte 10,28)

Warum nur fällt mir ausgerechnet jetzt das langsame Auto vor mir ein? Es ist Sonntagmorgen; ich bin spät dran, habe es eilig. Außerdem geht es um Leben und Tod. Entweder das Leben des Gottesdienstes (Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige!) oder um meines. Blicke können töten, wenn man etwas zu schnell und zu kurzatmig durchs Kirchenschiff eilt!

Stimmt schon, der Autofahrer da vor mir weiß nichts von alledem. Er fährt gemächlich in Richtung Bäckerei, spürt meinen Ärger nicht, sieht auch nicht das Zucken meiner Finger am Lenkrad. Ausgerechnet jetzt kommt auch noch Petrus von ganz weit oben: „… dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“ Aha. Vielen Dank. Doch genau in diesem Moment beginnt mein ganz eigener Gottesdienst.

Es stimmt: Petrus, der Apostel, hatte auch schon genügend Gründe, sich über irgendwelche ahnungslosen „Heiden“ aufzuregen. Diese Störenfriede althergebrachter und bewährter Ordnungen und Traditionen. Diese arroganten Römer mit ihren Göttern, Schwertern und ihrer blasierten Selbstbezogenheit; diese selbst ernannten Herrscher der Welt! Die haben es doch am allermeisten verdient, Gott, den wahren Herrscher, einmal so richtig kennenzulernen!

Und genauso kommt es. Gott hat dieses letzte Gebet erhört. Aber eben nicht so dramatisch. Ganz ohne Blut und Gewalt. Und ausgerechnet Petrus muss einen Gottesdienst halten, der ihn fast den Glauben kostet.

Zum Glück kennt er Gott bereits. Petrus, der auf dem Wasser ging und der Lahme heilte. Petrus, der gute Jude und Fischer; der „Fels“, auf dem Jesus seine Kirche baut. Dieser Petrus bekommt eine Lektion: Nicht Überheblichkeit und Vorurteile sind dran, sondern liebevolle Demut und ein offenes Herz für Gottes Volk. Und deshalb klopft er an die Tür dieses römischen Hauptmanns, tritt ein und erzählt diesem Mann von Jesus. Dem Jesus, der für das Volk Gottes gekommen ist, der litt und starb, der von den Toten auferstand und lebt.

„Gottes Volk“, ja. Diese Worte fallen Petrus besonders schwer. Denn wer gehört dazu? Den Menschen schaust du nur bis vor den Kopf. Was drinnen abläuft, siehst du nicht. Und wenn Gottes Volk doch viel mehr wären als die Leute in unseren Kirchenbänken?

Und so entspanne ich mich in meinem Auto, fahre etwas langsamer. Ich bitte Gott um Vergebung und wage ein kurzes Gebet für meinen Vorfahrer. Ich ertappte mich sogar bei der Hoffnung, dass auch er zum Volk Gottes gehören darf. Und genau das fühlt sich irgendwie gut an.