Brisantes Thema: Zwangsarbeit
Wieder einmal konnte das Team von der Church Lounge Hackenberg eine hochkarätige Referentin für einen spannenden Vortrag gewinnen: Inga Köster. Sie berichtete von der Zwangsarbeit in Deutschland während des Nationalsozialismus anhand des Beispiels von Volkswagen. Die 1999 eröffnete Dauerausstellung „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks“ ist auf dem Werksgelände in Wolfsburg in einem ehemaligen Luftschutzbunker untergebracht. Die hier gezeigten Dokumente, Fotos, Zeugenaussagen und Leihgaben persönlich Betroffener vermitteln einen differenzierten Eindruck vom Ausmaß der Zwangsarbeit und der Einbindung des Unternehmens in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft. Inga Köster hat während ihres Praktikums bei VW die Erinnerungsstätte kennengelernt und dort auch Führungen übernommen. So konnte sie die Zuhörinnen und Zuhörer des Abends mit auf eine erschreckende Zeitreise nehmen.
Kriegsgefangene vor allem aus Polen, der Sowjetunion, Italien und Frankreich wurden herangezogen. Sie wurden in den verschiedensten Bereichen eingesetzt, vor allem in der Landwirtschaft, der Rüstungsindustrie sowie im Bergbau. Einzig gegenüber den angloamerikanischen Kriegsgefangenen wurden weitgehend die bestehenden völkerrechtlichen Bestimmungen eingehalten. Insofern ist davon auszugehen, dass Kriegsgefangene, die zur Arbeit eingesetzt wurden – außer der letztgenannten Gruppe – im völkerrechtlichen Sinne Zwangsarbeit verrichteten. Ein eigenes Kapitel sind die Schicksale der Kinder von Zwangsarbeiterinnen. Besonders den „Ostarbeiterinnen“ wurde kein Mutterschutz zugestanden, was bedeutete, dass sie bis kurz vor der Entbindung (und bald danach) arbeiten mussten. Sie wurden auch nicht in deutschen Krankenhäusern untergebracht, weil man eine „rassische“ Vermischung und Gefährdung befürchtete.
Die Entbindungsheime, Kreißsäle, Säuglings- und Kinderheime waren in einem so schlechten Zustand, so dass die meisten Säuglinge starben.
Insgesamt waren während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet des Großdeutschen Reiches ca. 13,5 Mio ausländische Arbeitskräfte und Häftlinge von Konzentrationslagern und ähnlichen Haftlagern eingesetzt. Unter Berücksichtigung ihres zum Teil mehrmaligen Statuswechsels waren davon 8,4 Mio Zivilarbeiter, 4,6 Mio Kriegsgefangene und 1,7 Mio KZ-Häftlinge und „Arbeitsjuden“. Von ihnen lassen sich etwa 80 bis 90 % als Zwangs- bzw. Sklavenarbeiter bezeichnen. Im Oberbergischen Kreis gab es zeitweise 16 – 18.000 Zwangsarbeiter.
Andreas Spierling