ErLebensWert Gottesdienst am 11.11.2018

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Das Thema hat interessiert, begeistert und nachdenklich gemacht: Dennoch – der liebe Gott und das Leid. Pfarrer Andreas hat dieses Thema in seiner Predigt vertieft. Sie kann hier nachgelesen werden. Interview Partner von Philipp Kremer war der Bestatter Peter Brand. Musikalisch wurde der ErLebensWert Gottesdienst von der Band „Ruhepuls“. Auch die Kinder kamen nicht zu kurz: sie konnten in „ihrem Kigo“ von der Liebe und Nähe Gottes erfahren. Auch beim anschließenden Mittagessen blieb kein Platz leer.[/vc_column_text][ultimate_exp_section title=“Die Predigt zum nachlesen (anklicken…)“ new_title=“lesen..“ icon=“Defaults-arrow-down“ new_icon=“Defaults-arrow-down“ icon_align=“right“ icon_size=“24″ icon_color=“#a0a0a0″ icon_hover_color=“#dd3333″][vc_column_text]

ErLebensWert-Gottesdienst am 11.11.2018
Pfarrer Andreas Spierling

Predigt auch als .pdf (anklicken zum herunterladen)

Dennoch – der liebe Gott und das Leid
Das gerade gehörte Lied „Silent Night – seven o clock news“ von Simon & Garfunkel bringt diesen Gegensatz sehr treffend zum Ausdruck: sachlich und emotional. Hier ist zum einen das stark in unserer Weihnachtstradition geprägt Lied „Stille Nacht“. Es strahlt Stille und Frieden aus. So wie man es sich wünscht. Nichts Störendes trübt die Stimmung. Aber so ist die Welt nicht. Da kommt plötzlich eine andere Stimme ins Lied des Lebens. Erst leise kommt sie ans Ohr und ans Herz und dann immer deutlicher und nicht mehr zu verdrängen. Die Nachrichten von Krieg und Katastrophen. Während die einen in gemütlicher Umgebung „Stille Nacht“ erleben, sterben auf der anderen Seite Menschen durch politische Entscheidungen oder durch nicht selbst verursachte Katastrophen. Wie kann das sein? Der Liebe Gott und dann das Leid der Menschen. Jeder von uns kennt es aus persönlicher Erfahrung.
Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit jemandem, der mit der Kirche und dem Glauben nichts anfangen konnte und kann. Er sagte u.a.: „Wenn ich morgens die Zeitung lese und abends die Nachrichten sehe, dann kann ich an keinen Gott glauben. Wenn es einen Gott gibt, warum lässt er das dann zu?“ Ganz ehrlich – wir sind ja unter uns: Die Frage ist doch berechtigt, und ich bin mir sicher, dass diese Frage auch einige von uns hier haben.
Wer heute Morgen erwartet, darauf eine plausible Antwort zu bekommen, der wird allerdings enttäuscht. Wer mit dem Gedanken gekommen ist, endlich einem zweifelnden Gegenüber ein paar kluge Sätze sagen zu können, wird diese heute ebenfalls nicht bekommen. Warum? Weil das nicht objektiv und für alle Zeiten gültig zu klären ist. Was sollten wir auch der Familie sagen, dessen 16jähriger Junge von einem 13jährigen in Wenden erwürgt wurde? Ja, was?

Es verbietet sich gerade in leidvollen Situationen, einen Vorrat von Antworten hervorzuholen. Das wäre zynisch. Einen betroffenen Menschen können wir so nicht erreichen. Auch wenn wir meinen, Gott verteidigen zu müssen, sind wir auf dem Holzweg. „Gott macht das schon richtig“. „Du musst ihm nur weiterhin vertrauen.“ Muss ich überhaupt nicht.  So braucht uns Gott nicht. Er braucht uns dafür, das Leid mit anderen auszuhalten. Er braucht uns an der Seite von Menschen, die nicht ein noch aus wissen.
Und wer sind wir eigentlich, dass wir meinen, Gottes Wege erklären zu können. Wir wissen es doch selbst nicht. Es kann ja gut sein, dass sich später einmal zeigt, wozu das gut war – aber das ist später und wird sich nicht schneller ereignen, wenn wir sagen: „Es ist schlimm, aber es wird schon wieder.“ Manchmal wird es nämlich nicht „wieder“.
Auch wir als Christen können über die Wirklichkeit Gottes mit all ihren Schönheiten und Grausamkeiten nur vertrauend reagieren und einen Teil davon auf dem Weg des anderen, des Leidenden, behutsam einbringen. Auch wir leben von der Nähe Gottes zu uns, von dem nahen Gott. Auch wir erschrecken vor dem verborgenen Gott, der uns in Unruhe und auch in Zweifel versetzt und durchschüttelt. Genau diesen verborgenen Gott können wir nicht erklären und seine Wege vor anderen rechtfertigen. Es ist wie es ist und braucht uns nicht peinlich zu sein.
Altpräses Schneider, der ehemalige Chef unserer EKD, hat einmal in einem Fernsehinterview nach dem Tod seiner Tochter gesagt:
„Ich habe immer gelernt: ´Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.´ Ich habe Gott jetzt zum ersten Mal fürchten gelernt.“
Das ist Jahre her. Aber diese Satz ist mir unter die Haut gegangen, und ich bitte Gott darum, dass wir in unserer Familie und im Freundeskreis von Leid und bösen Erfahrungen verschont bleiben. Aber eine Garantie gibt es nicht, und wir haben auch keinen Anspruch darauf.
Es gibt keine Karte auf der steht: garantiert glücklich bis ans Lebensende und dann sowieso!
Es gäbe also 1000 Gründe und mehr diesem Gott den Rücken zuzukehren. Warum gibt es aber dennoch so viele, die genau das nicht tun, sondern an Gott festhalten? Weil sie gehalten sind! Weil sie in ihrem Leben erfahren haben, dass Gott sie nie im Stich gelassen hat. Weil sie erlebt haben, wie das Wunder des Lebens seinen Lauf nimmt: bei der Geburt eines Kindes, bei der Liebe von Menschen, bei etlichen Untersuchungen beim Arzt der vielleicht sagt: Essen sie bitte nicht so fettig – ansonsten ist alles ok. Weil ihnen aufgegangen ist, dass es bei den vielen ökologischen Belastungen und unfriedlichen Zuständen ein Wunder ist, dass wir leben.
Das sind Menschen, die einen großen Schatz an Erfahrungen mit ihrem Vertrauen zu Gott haben, ein Schatz, der ihnen in schwierigen Zeiten hilft. Sie werden von Menschen in Not angesprochen: „Bete bitte für mich.“
Die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ und der Bewältigung des Leides beginnt nicht erst mit der Katastrophe, sondern viel früher. Ich formuliere es mit alten Worten aus dem Heidelberger Katechismus:

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

-> Dass ich mit Leib und Seele,
beides, im Leben und im Sterben,
nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes,
Jesu Christi,
eigen bin,
der mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt
und mich aus der Gewalt des Teufels
erlöst hat
und also bewahrt,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupte kann fallen,
ja auch mir alles
zu meiner Seligkeit dienen muss.

Also: Auch heute entscheidet sich, hier in diesem Gottesdienst, wie ich aufgestellt bin, wenn´s Dicke kommt. Kann ich einfach rausschreien, heulen, schweigen und dabei alles Gott vor die Füße schmeißen. Währen der Studienzeit verstarb der Vater meines Freundes plötzlich auf dem Fußballplatz. Mein Freund hat alles aus sich herausgeschimpft und Gott mit keinen Worten verschont. Ich habe festgestellt: Gott hält auch das aus.
Gebe ich mich den Wirren der Zeiten und Räume hin und gerate ins tödliche Trudeln, oder lasse ich mich im Fallen von den Händen Gottes halten? In einem Psalm heißt es: Unter dir sind ewige Arme gebreitet. Leute – das ist was zählt und Widerstandskräfte mobilisiert. Aber diese stehen nur dem zu Verfügung, der weiß, dass es sie gibt und darin schon Erfahrungen gesammelt hat.
So leihen wir uns Worte aus der Bibel, um der Not und dem Leid zu begegnen. Bei jeder Trauerfeier bemühen wir die Worte aus dem AT und NT – Worte von Menschen, die wissen was es heißt, in allem auf Gott zu vertrauen. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen; woher kommt mir Hilfe? – Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ „Der Herr ist mein Hirte … ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich mich nicht. Denn du bist bei mir.“
Ich denke an die starken Sätze, die Paulus an die Römer schreibt:
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm.8,38-39)
Ich denke an Jesus.  Als er am Kreuz schrie: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Da hat er sein Leid nicht in die Menge auf Golgatha geschrien, nicht mit leerem Blick irgendwohin – ins namenlose Nichts –, sondern im Blick nach oben – zum Vater –, zu seinem Vater! Seine Not hatte einen konkreten Ansprechpartner: Gott. Zu dem, zu dem er sein ganzes Leben in engster Beziehung stand – Jesus konnte sagen: Ich und der Vater sind eins –, wendet er sich. Wir können lernen von Jesu Bedrängnis im Garten Gethsemane: „Herr, wenn es sein kann, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Und Jesus schwitzte aus Angst Blut. Ich denke an die Versuchungen in der Wüste. Jesu hätte ein schönes Leben mit allem Komfort und aller Machtfülle haben können. Aber er hat im Vertrauen auf Gott diesen Weg nicht gewählt. Denn all dies ist nicht von langer Dauer. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.
Entbehrungen und Leid – aber immer in Bindung an Gott – nie gott-los. Jesus und wir: getragen in der Anfechtung.
Und nun? Ich möchte etwas davon mitnehmen, was der Beter des 73ten Psalms erfahren hat. „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, und leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Ps.73, 23-26)
Zum Schluss drehe ich die „Warum“-Frage einmal um und schlage eine andere Richtung ein. Das hat nichts zu tun mit: „Ach jetzt malt er aber alles irgendwie schön.“
Nein, ich bin davon überzeugt, dass uns die positiven Bilder in schweren Situationen helfen. Denn diese sind eine Wirklichkeit Gottes – sein Geschenk an uns. Diese Wirklichkeit lesen wir nicht in den Zeitungen oder sehen und hören es abends in den Nachrichten. Dabei ist diese Wirklichkeit Gottes unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Eine Wirklichkeit, die es zu bewahren gilt und für die es sich lohnt zu kämpfen.
Warum lässt Gott das zu? (aus: Axel Kühner, Voller Freude und Gelassenheit, 365 Andachten, S.79)

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